Gebühren bei Briefmarken-Auktionen: was beim Einlieferer wirklich ankommt
Der Zuschlag ist nicht der Betrag, der auf Ihrem Konto landet. Das Auktionshaus zieht die Einlieferungsprovision ab, je nach Vertrag dazu Umsatzsteuer sowie Los-, Foto- und Versicherungsgebühren. Der Käufer zahlt zusätzlich ein Aufgeld, das Sie nie sehen. Welche Posten anfallen und in welcher Höhe, steht in den Versteigerungsbedingungen und im Einlieferungsvertrag des jeweiligen Hauses. Lesen Sie beides, bevor Sie unterschreiben.
Eine Auktion lohnt sich vor allem für seltenes, gut erhaltenes oder geprüftes Material, bei dem mehrere Bieter den Preis nach oben treiben. Für gewöhnliche Marken fressen die Gebühren oft einen großen Teil des Erlöses, und manche Häuser nehmen kleine Lose gar nicht an. Diese Seite erklärt die einzelnen Posten, rechnet ein Beispiel durch und vergleicht die Auktion mit einem Händlerangebot und dem Verkauf über eBay oder Delcampe.
Alle Prozentsätze und Beträge auf dieser Seite sind Beispielwerte zur Veranschaulichung, keine Marktübersicht und keine Angaben eines bestimmten Hauses. Die tatsächlichen Konditionen unterscheiden sich von Haus zu Haus, oft auch nach Wert des Loses, und sind manchmal verhandelbar. Maßgeblich sind allein die Versteigerungsbedingungen (AGB) und Ihr Einlieferungsvertrag.
Die Posten im Überblick
| Posten | Wer zahlt | Was es ist |
|---|---|---|
| Einlieferungsprovision (Verkaufsprovision) | Einlieferer | Ein Prozentsatz vom Zuschlag, manchmal gestaffelt nach Losgröße oder Gesamtwert der Einlieferung. Prüfen Sie, ob er zuzüglich Umsatzsteuer berechnet wird. |
| Losgebühr | Einlieferer | Ein fester Betrag pro Los, oft unabhängig davon, ob es verkauft wird. |
| Abbildungs- oder Fotogebühr | Einlieferer | Für Abbildungen im Katalog oder online, manchmal nur für farbige oder großformatige Abbildungen. |
| Versicherung | Einlieferer | Meist ein kleiner Prozentsatz vom Zuschlag oder vom Schätzwert, für die Zeit, in der das Material beim Haus liegt. |
| Rücklos- oder Nichtverkaufsgebühr | Einlieferer | Bei manchen Häusern für Lose, die keinen Zuschlag erhalten und zurückgehen. |
| Prüfkosten | Einlieferer | Wenn das Haus vor der Auktion ein Attest einholt oder ein Prüfzeichen verlangt. |
| Aufgeld | Käufer | Ein Prozentsatz, den der Käufer zusätzlich zum Zuschlag zahlt, dazu je nach Haus Umsatzsteuer und Versand. Es senkt Ihren Erlös nicht direkt, aber Bieter rechnen es ein und bieten entsprechend weniger. |
Zwei Begriffe sollten Sie außerdem kennen. Der Ausruf ist der Startpreis, zu dem ein Los aufgerufen wird. Ein Limit oder Mindestpreis ist der Betrag, unter dem Sie nicht verkaufen wollen. Ob Sie ein Limit setzen dürfen und was es kostet, wenn es nicht erreicht wird, regelt der Vertrag. Viele Häuser bieten nicht verkaufte Lose nach der Auktion im Nachverkauf weiter an, meist zum Ausruf.
Ein Rechenbeispiel
Ein einzelnes Los erhält einen Zuschlag von 1.000 €. Angenommen werden beispielhaft 15 % Einlieferungsprovision zuzüglich Umsatzsteuer, 5 € Abbildungsgebühr und 1 % Versicherung vom Zuschlag. Der Regelsatz der Umsatzsteuer liegt derzeit bei 19 %. Ob und worauf ein Haus Umsatzsteuer berechnet, steht in dessen Bedingungen.
| Posten (Beispiel) | Betrag |
|---|---|
| Zuschlag | 1.000,00 € |
| Einlieferungsprovision 15 % | −150,00 € |
| Umsatzsteuer 19 % auf die Provision | −28,50 € |
| Abbildungsgebühr | −5,00 € |
| Versicherung 1 % | −10,00 € |
| Auszahlung an den Einlieferer | 806,50 € |
Der Käufer zahlt bei einem beispielhaften Aufgeld von 20 % dagegen 1.200 € plus gegebenenfalls Umsatzsteuer und Versand. Zwischen dem, was der Käufer zahlt, und dem, was bei Ihnen ankommt, liegen in diesem Beispiel also rund 400 €, gut ein Drittel des Zuschlags. Bei einem Los mit 50 € Zuschlag wiegen feste Gebühren pro Los viel schwerer. Deshalb fassen Häuser gewöhnliches Material oft zu Sammellosen zusammen. Den Nettoerlös mit Ihren eigenen Zahlen und den Vergleich mit einem Händlerangebot rechnet der Auktionsgebühren-Rechner (auf Englisch) aus.
Was im Einlieferungsvertrag stehen sollte
- Provision und alle Nebenkosten, jeweils mit Angabe, ob Umsatzsteuer hinzukommt.
- Losbildung: Wer entscheidet, welche Stücke einzeln und welche als Sammellos angeboten werden?
- Ausruf und Limit: Wer legt den Ausruf fest, und können Sie ein Limit setzen?
- Nicht verkaufte Lose: Nachverkauf, erneutes Angebot in der nächsten Auktion oder Rückgabe, und zu welchen Kosten?
- Auszahlungstermin: Häuser zahlen meist erst, nachdem die Käufer bezahlt haben. Das kann mehrere Wochen nach der Auktion sein. Der Termin sollte im Vertrag stehen.
- Versicherung und Haftung, solange das Material beim Haus liegt, und für den Versand.
- Reklamationen: Was passiert, wenn ein Käufer ein Los wegen Echtheit oder Erhaltung beanstandet?
- Vorschuss: Manche Häuser zahlen bei größeren Einlieferungen einen Vorschuss. Fragen Sie nach Bedingungen und Kosten.
Holen Sie bei einer größeren Einlieferung Angebote von mindestens zwei Häusern ein. Eine höhere Schätzung bei höheren Gebühren kann am Ende weniger bringen als eine vorsichtigere Schätzung bei niedrigeren Kosten. Worauf es bei der Wahl des Hauses ankommt, beschreibt der Ratgeber zur Wahl eines Auktionshauses (auf Englisch), die einzelnen Gebühren im Detail der Ratgeber zu Einlieferungsgebühren (auf Englisch).
Auktion, Händler oder online: was bleibt übrig?
| Weg | Was abgezogen wird | Wann bezahlt wird | Passt zu |
|---|---|---|---|
| Auktionshaus | Provision, oft zuzüglich Umsatzsteuer, plus Los-, Foto- und Versicherungsgebühren | Nach der Auktion, wenn die Käufer bezahlt haben | Seltenes, gut erhaltenes oder geprüftes Material |
| Händler | Keine Gebühren, aber ein Einkaufspreis, der Risiko, Arbeit und Marge des Händlers enthält | Meist sofort | Ganze Sammlungen, schneller Verkauf, unklares Material |
| eBay | Gebühren je nach Verkäuferstatus (privat oder gewerblich), Kategorie und Zusatzoptionen, dazu Ihr Aufwand für Fotos, Beschreibung und Versand | Nach Zahlung des Käufers, über die Plattform | Bestimmte, bepreiste Einzelstücke und Posten |
| Delcampe | In der Regel eine Provision auf verkaufte Artikel, dazu optionale Zusatzleistungen | Nach Zahlung des Käufers | Philatelistisches Material mit Sammlerpublikum, auch kleinere Werte |
Die Gebühren beider Plattformen haben sich in den letzten Jahren mehrfach geändert. Prüfen Sie die aktuelle Gebührenübersicht, bevor Sie viele Artikel einstellen, und rechnen Sie Ihre Zeit mit ein: Hundert Einzelangebote mit Fotos, Beschreibung, Käuferfragen und Versand sind viel Arbeit für Marken, die einzeln wenig bringen. Einen Vergleich der Verkaufswege bietet der Ratgeber Auktion oder online verkaufen (auf Englisch).
Zwei rechtliche Punkte für Privatverkäufer, beide allgemein und ohne Gewähr für Ihren Einzelfall. Erstens können Sie als Privatverkäufer die Haftung für Sachmängel grundsätzlich ausschließen. Das gilt aber nicht für Mängel, die Sie arglistig verschweigen, und nicht, soweit Sie eine Garantie übernommen haben (§ 444 BGB). Beschreiben Sie Dünnstellen, Risse und Reparaturen deshalb ehrlich. Zweitens müssen Plattformen nach dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz Verkäufer an das Bundeszentralamt für Steuern melden, die in einem Kalenderjahr mindestens 30 Verkäufe oder mindestens 2.000 € Erlös erreichen. Eine Meldung bedeutet nicht automatisch, dass Steuern anfallen. Wer eine große Sammlung in vielen Einzelstücken verkauft, sollte die steuerliche Seite aber mit dem Steuerberater klären.
Wann sich eine Auktion lohnt
- Eher ja: einzelne Marken oder Belege mit deutlichem Wert, geprüftes Material mit Attest, Spezialsammlungen, die Fachsammler suchen.
- Eher nein: Dauerserien, Massenware, lose Marken auf Papier, Alben mit überwiegend gewöhnlichen Ausgaben. Hier bringt ein Händler oder ein Sammellos online oft mehr, nach Abzug aller Kosten.
- Oft sinnvoll: aufteilen. Die wenigen guten Stücke gehen in die Auktion, der Rest an einen Händler oder in ein Sammellos.
Wie stark die Erhaltung den Zuschlag beeinflusst, zeigt die Übersicht zu Erhaltungsmängeln (auf Englisch). Geht es um eine geerbte Sammlung, lesen Sie vorher Briefmarkensammlung im Nachlass bewerten, denn dort entscheiden oft mehrere Erben gemeinsam über den Verkauf.
Vor der Einlieferung sortieren
StampWorth bestimmt eine Marke per Foto, bewertet Erhaltung und Seltenheit, schlägt Michel-, Scott-, Stanley-Gibbons- und Yvert-&-Tellier-Nummern vor und liefert eine KI-Schätzung ihrer Marktwert-Spanne. Jeder Scan landet mit Foto in einer Sammlungsliste mit laufender geschätzter Gesamtsumme. Marken lassen sich auch von Hand erfassen, mit Bezeichnung, Land, Jahr, Erhaltung, Seltenheit und Wertspanne; das ist kostenlos und nutzt keine KI.
Mit der App trennen Sie die Stücke, die einen genaueren Blick oder eine Auktion verdienen, vom gewöhnlichen Rest, bevor Sie mit einem Haus oder Händler sprechen. Die Schätzung ist ein Ausgangspunkt, den Sie mit erzielten Preisen abgleichen, kein Schätzpreis eines Auktionshauses und kein Angebot. Die Liste wird auf dem Telefon gespeichert, das Sie verwenden. Kostenloser Download: 3 Bestimmungen pro Tag, und Ihre erste Bewertung zeigt den vollen Wert. Pro zeigt jeden Wert und ergänzt das Scannen ganzer Albumseiten sowie aktuelle eBay-Angebotspreise.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Provision bei einer Briefmarken-Auktion?
Das legt jedes Haus selbst fest, oft gestaffelt nach Wert. Üblich ist ein Prozentsatz vom Zuschlag, je nach Vertrag zuzüglich Umsatzsteuer sowie Los-, Foto- und Versicherungsgebühren. Die verbindlichen Zahlen stehen in den Versteigerungsbedingungen und im Einlieferungsvertrag.
Was ist das Aufgeld bei einer Briefmarken-Auktion?
Das Aufgeld ist ein Prozentsatz, den der Käufer zusätzlich zum Zuschlag an das Auktionshaus zahlt. Der Einlieferer zahlt es nicht, aber Bieter rechnen es in ihr Gebot ein. Deshalb liegt der Zuschlag unter dem, was ein Käufer insgesamt auszugeben bereit ist.
Lohnt sich eine Auktion oder ist ein Händler besser?
Für seltenes, gut erhaltenes oder geprüftes Material bringt eine Auktion nach Abzug der Gebühren oft mehr. Für gewöhnliche Marken und ganze Alben ist ein Händlerangebot häufig die bessere Wahl, weil feste Gebühren pro Los kleine Erlöse aufzehren. Vergleichen Sie den Nettoerlös, nicht den Zuschlag.
Wann bekomme ich nach der Auktion mein Geld?
Meist erst, nachdem die Käufer bezahlt haben, oft mehrere Wochen nach der Auktion. Der genaue Termin sollte im Einlieferungsvertrag stehen. Manche Häuser zahlen bei größeren Einlieferungen einen Vorschuss.
Was kostet es, Briefmarken auf eBay oder Delcampe zu verkaufen?
Das hängt von der Plattform, vom Verkäuferstatus und von Zusatzoptionen ab, und die Gebühren haben sich in den letzten Jahren mehrfach geändert. Prüfen Sie die aktuelle Gebührenübersicht vor dem Einstellen und rechnen Sie den Zeitaufwand für Fotos, Beschreibung und Versand mit ein.